Lernende Regionen-Förderung von Netzwerken —PRESSEINFO—

– 01.04.2004 –
Bildungsmotivation – aber wie?
Konferenz der Lernenden Region Mittleres Mecklenburg-Küste

„Würden Sie sich selbst einstellen?!“ – Eine solche Frage erwarten die wenigsten Jugendlichen, die sich zur Zeit auf Stellen- oder Ausbildungssuche befinden.
Das eine klare Auseinandersetzung mit diesem Aspekt unabdingbar ist, wurde im Rahmen der Konferenz „Bildungsfrust? – Bildungslust!“ deutlich. Das zentrale Thema dieser Veranstaltung am 25. März 2004 war der Mangel an Bildungsmotivation unter Jugendlichen in Deutschland. „Wir freuen uns, dass wir viele Gäste aus unterschiedlichen Bereichen begrüßen können. So kann das Problem der �Bildungsfrustes’ von allen Seiten beleuchtet werden,“ so Birgit Stecker, Leiterin des Projektes Lernende Region Mittleres Mecklenburg-Küste.

„Das Problem der mangelnden Lernmotivation in Deutschland existiert nicht erst seit dem 21. Jahrhundert,“ so Prof. Dr. Norbert Völker von der Universität Rostock. Die Traditionslinie deutscher „Bildungskatastrophen“ existierte nach seinen Ausführungen bereits zu Zeiten der Reformation und zieht sich bis heute durch die deutsche Bildungslandschaft, allerdings werden die Zeitintervalle auch aufgrund des enormen Wissenszuwachses immer kürzer und die Auswirkungen nachhaltig schneller und deutlicher sichtbar.

Aber wo sind Gründe zu suchen, um den Bildungsfrust zu erklären? Die Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Bildung, Wirtschaft und Politik machte deutlich, dass der Verlust an der Lernmotivation nicht nur auf schulische Probleme zurückzuführen ist. „Auch die Rolle des Elternhauses darf hierbei nicht unterschätzt werden,“ berichtet Peter Farbacher von der GLOBUS Niederlassung Rostock. Bei vielen Jugendlichen, die sich dort in der Ausbildung befinden, sei dies deutlich geworden. Unterstützen die Eltern ihr Kind bei der Wahl des Berufs und stehen sie ihm auch während der Ausbildung zur Seite, ist ein Ausbildungsabbruch unwahrscheinlicher. Gibt es zwischen der Berufsschule und dem Ausbildungsbetrieb gute Kontakte, wirkt dies potenzierend. Und auch die Rolle der Unternehmen und der Gesellschaft schlechthin ist als Einflussgröße zu werten.

Die Orientierungslosigkeit bei Jugendlichen war auch Gegenstand der Beiträge von Dr. Olaf Klevenow (Universität Rostock) und Dirk Grigull (Regionalleiter Unternehmerverband Rostock und Umgebung e.V.). Aber auch Lehrer müssen sich weiter entwickeln. Es ist keine Schande, sich von einem Schüler etwas erklären zu lassen, was er besser kann, z.B. im IT Bereich. Um die Praxisnähe entscheidend zu verbessern, bietet der Unternehmerverband Weiterbildung und Praktika für Lehrer in seinen Verbandsunternehmen an.

Es sind Parallelen in der Lerneinstellung bei Hochschule und Berufsausbildung zu erkennen: die eigene, innere Motivation fehlt häufig bei vielen Jugendlichen. „Oftmals kommt es so weit, weil die Jugendlichen sich den Ausbildungsberuf nicht frei auswählen konnten,“ berichtet Heidemarie Beyer. „Sie wurden dort sozusagen hereingezwängt, weil es keine andere Möglichkeit für sie gab.“ Diese Tendenz bemerke sie in ihrer Tätigkeit als private Arbeitsvermittlerin in der Zusammenarbeit mit Jugendlichen immer wieder.

Die Lernende Region Mittleres Mecklenburg-Küste beschäftigt sich innerhalb der fünf Teilprojekte intensiv mit dem Thema Bildungsmotivation. Speziell die Vorhaben „KREATIV – Förderung von Begabten für Innovationsfelder der regionalen Wirtschaft“ und „Neue Wege zu Arbeit und Beruf: Motiv-Motivation-Kompetenz“ zielen auf die Steigerung der Lernmotivation von Schülern und Jugendlichen ab. Ein Praxisbeispiel konnten zwei Schülerinnen des Gymnasiums an der Ahornpromenade in Güstrow vorstellen: Sie haben für die Firma EURAWASSER Nord GmbH, NL Güstrow einen Tourenplan für die Optimierung der Wartung der Pumpstationen erarbeitet.

„Wir haben die Konferenz bewusst problemorientiert“ angelegt, so Prof. Dr. Reinhard Kastl vom BilSE-Institut Güstrow und Träger des Gesamtprojektes. „Damit ist es uns gelungen, eine diskussionsfreudige Atmosphäre zu schaffen und mit Experten aus Wissenschaft und Praxis ins Gespräch zu kommen.“

Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass das Thema Bildungsmotivation sehr komplex ist. „Um einen Fortschritt zu erzielen, müssen in vielen verschiedenen Bereichen gleichzeitig Veränderungen vollzogen werden, so z.B. müssen neue Angebote in die Lehrerfortbildung integriert werden, damit sich Lehrer mit neuen Lehr- und Lernmethoden (auch eLearning) vertraut machen und im Unterricht anwenden können. Auch die Entwicklung der Curricula sollte von Grund auf überdacht werden,“ erklärt Dr. Gisela Spangenberg von der Beruflichen Schule „Johann-Heinrich von Thünen“ Güstrow. Der sogenannte „Nürnberger Trichter“ sollte dabei aber nicht völlig verschwinden, denn Faktenwissen spiele nach wie vor eine wesentliche Rolle.

Einig waren sich die Teilnehmer der Konferenz in dem Punkt, den auch schon Prof. Völker in seinem Vortrag ansprach:
„Das deutsche Bildungssystem läuft mit einem Betriebssystem aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es ist dringend und kurzfristig ein update notwendig!“

Birgit Stecker
Projektmanagerin
Lernende Region Mittleres Mecklenburg-Küste

[email protected]

 

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